So auch heuer: 6. Januar. Stärke antrinken – Ein oberfränkischer Brauch zwischen Geschichte, Gemeinschaft und Bierkultur
Es gibt Bräuche, die lassen sich nicht erklären, ohne sie gefühlt zu haben. Man kann sie beschreiben, historisch einordnen, mit Daten versehen – und doch bleibt etwas, das sich nur erschließt, wenn man selbst dabei ist. „Stärke antrinken“ ist genau so ein Brauch. Tief verwurzelt in Oberfranken, besonders im Raum Coburg, ist er weit mehr als ein Anlass, ein starkes Bier zu trinken. Er ist ein Ritual. Ein Innehalten. Und ein gemeinschaftlicher Blick nach vorn.
Wenn im Januar die Tage noch kurz sind, die Nächte kalt und das Jahr gerade erst begonnen hat, treffen sich Menschen im Wirtshaus. Nicht aus Zufall, nicht aus Gewohnheit – sondern aus Überzeugung. Man trinkt Stärke an.
Was bedeutet „Stärke antrinken“ wirklich?
Der Begriff wird außerhalb Frankens oft missverstanden. Wer ihn hört, denkt schnell an die Stärke des Bieres, an Alkoholgehalt oder Trinkfestigkeit. Doch darum ging es ursprünglich nie. Das Wort „Stärke“ meint Kraft, Gesundheit, Widerstandsfähigkeit – für Körper und Geist. Stärke antrinken heißt: dem neuen Jahr etwas entgegensetzen. Nicht laut, nicht prahlerisch, sondern gemeinsam und bewusst. Historisch fand das Stärke antrinken rund um den 5. oder 6. Januar statt – in jener Zeit, die früher als Hochneujahr galt. Erst im späten 17. Jahrhundert setzte sich der 1. Januar endgültig als Jahresbeginn durch. Davor begann das neue Jahr für viele Menschen erst mit dem Dreikönigstag. Und genau hier liegt der Ursprung des Brauchs.
Zwischen Rauhnächten und Realität
Die Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar war seit jeher etwas Besonderes. Die sogenannten Rauhnächte galten als Übergangsphase – zwischen dem alten und dem neuen Jahr, zwischen dem Bekannten und dem Ungewissen. Man glaubte, dass in diesen Tagen Entscheidungen, Rituale und Zeichen eine besondere Wirkung hätten. Stärke antrinken war in diesem Kontext kein exzessives Trinken, sondern ein symbolischer Akt:
Man setzte sich zusammen, blickte zurück, sprach über das Vergangene – und trank auf das Kommende. Auf ein Jahr, das Kraft braucht. Auf Arbeit, Familie, Gesundheit. Auf alles, was kommen mag.
Coburg, Bier und Gemeinschaft: Ein guter Veste Trunk?
Coburg war schon immer ein Ort, an dem Bierkultur und Gemeinschaft zusammengehören. Das Wirtshaus war nicht nur Ausschank, sondern Treffpunkt. Hier wurden Neuigkeiten geteilt, Entscheidungen vorbereitet, Sorgen ausgesprochen und Hoffnungen formuliert.
Gerade deshalb hat sich das Stärke antrinken hier bis heute gehalten. Nicht als museale Tradition, sondern als gelebter Brauch. Wer an diesem Abend ins Brauhaus kommt, spürt schnell: Hier geht es nicht um Lautstärke oder Geschwindigkeit. Es geht um Nähe. Um Gespräche, die sonst keinen Platz finden. Um das gemeinsame Anstoßen – nicht auf Erfolge, sondern auf Durchhaltevermögen.
Starkbier als Begleiter, nicht als Hauptdarsteller
Natürlich spielt Bier eine zentrale Rolle. In früheren Zeiten wurde häufig Bockbier oder Starkbier ausgeschenkt – gehaltvoll, nahrhaft, kräftig. Nicht zufällig. Gerade im Winter war Bier ein wichtiger Energielieferant, oft sicherer als Wasser und fester Bestandteil des Alltags. Doch auch hier gilt: Die Stärke lag nie allein im Bier. Sie lag im Moment. Im bewussten Trinken. Im gemeinsamen Erleben. Manche Überlieferungen sprechen davon, dass symbolisch für jeden Monat des kommenden Jahres ein Seidla getrunken wurde – heute eher Legende als Pflicht. Der Gedanke dahinter bleibt jedoch bestehen: Das Jahr beginnt nicht hastig, sondern bedacht.
Warum der Brauch heute wichtiger ist denn je
In einer Zeit, in der alles schneller wird, wirkt Stärke antrinken fast wie ein Gegenentwurf. Keine Selbstoptimierung, kein Vorsatz-Marathon, keine leeren Versprechen. Stattdessen: ein Abend im Brauhaus. Ehrliche Gespräche. Ein Bier, das Zeit bekommt.
Gerade heute, wo Unsicherheiten allgegenwärtig sind, gewinnt der Brauch eine neue Bedeutung. Stärke antrinken heißt auch: Wir sind nicht allein. Wir sitzen zusammen. Wir hören einander zu. Und wir wissen, dass Stärke nicht aus Einzelkämpfertum entsteht, sondern aus Gemeinschaft.
Das Brauhaus als Hüter der Tradition
Dass Brauhaus Coburg und der Brauhaus Stadl sind mehr als ein Ort, an dem Bier ausgeschenkt wird. Es ist ein kultureller Raum. Einer, der Erinnerungen bewahrt und gleichzeitig Raum für Neues schafft. Wenn im Brauhaus Coburg Stärke angetrunken wird, dann nicht, weil es im Kalender steht, sondern weil es Sinn ergibt. Hier treffen Generationen aufeinander. Alte Geschichten werden weitererzählt, neue entstehen. Und irgendwo zwischen Holz, Glas und Bier liegt das, was man schwer beschreiben kann: das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Stärke antrinken – kein Relikt, sondern Haltung
Vielleicht ist das der Grund, warum dieser Brauch überlebt hat. Weil er nichts fordert, aber viel gibt. Weil er keine Regeln kennt, aber Werte vermittelt. Stärke antrinken bedeutet nicht, Probleme wegzutrinken. Es bedeutet, ihnen mit Haltung zu begegnen. Ein Bier ersetzt keine Lösung. Aber es kann ein Gespräch eröffnen. Und manchmal beginnt genau dort die Stärke, die man braucht.
Fazit
Stärke antrinken ist oberfränkische Identität in ihrer leisen, ehrlichen Form. Kein Spektakel, kein Event – sondern ein Moment der Verbundenheit. Im Brauhaus Coburg lebt dieser Brauch weiter, weil er hier zu Hause ist. Weil er Menschen zusammenbringt. Und weil er daran erinnert, dass wahre Stärke nicht laut sein muss. Manchmal reicht ein Tisch. Ein gutes Bier. Und der gemeinsame Blick nach vorn. Guter Tipp: Probiere unseren Veste Trunk Coburg!